Darf ich als Arzt Google Ads schalten? HWG verständlich erklärt
Auf einen Blick
- Ja, Ärzte dürfen Google Ads schalten, solange die Werbung sachlich und HWG-konform ist
- Verboten: Heilungsversprechen, Vorher/Nachher-Bilder, Angstappelle, Superlative ohne Beleg
- Erlaubt: Behandlungsangebote, Qualifikationen, Sprechzeiten, Standort, Kassenleistungen
- Typische CPCs für Arztpraxen im DACH-Raum liegen bei 1,50-8,00 € je nach Keyword
- Consent Mode V2 ist Pflicht. Tracking darf keine Gesundheitsdaten erfassen
“Darf ich als Arzt überhaupt Werbung machen?”, diese Frage höre ich regelmäßig. Die kurze Antwort: Ja, du darfst. Aber mit klaren Einschränkungen.
Das Heilmittelwerbegesetz (HWG) und die Berufsordnung für Ärzte (MBO-Ä) setzen den Rahmen. Wer diesen Rahmen kennt, kann Google Ads rechtssicher und effektiv einsetzen. Wer ihn nicht kennt, riskiert Abmahnungen.
Hinweis: Seit 28.06.2025 gilt zusätzlich das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) für Praxis-Websites mit Online-Buchung. Strafrahmen bis 100.000 €. Details siehe BFSG für Arztpraxen Deutschland.
Werberecht für Ärzte im DACH-Raum
In jedem deutschsprachigen Land gelten eigene Regeln für ärztliche Werbung. Die Grundprinzipien sind ähnlich, sachlich, nicht irreführend, keine Heilversprechen, aber die konkreten Gesetze unterscheiden sich:
| Deutschland | Österreich | Schweiz | |
|---|---|---|---|
| Gesetz | Heilmittelwerbegesetz (HWG) | Ärztegesetz (ÄrzteG) + Ärztekammer-Richtlinien | Medizinalberufegesetz (MedBG) + kantonale Gesundheitsgesetze |
| Berufsordnung | MBO-Ä § 27 | Satzung der jeweiligen Ärztekammer | Standesordnung FMH |
| Aufsicht | Landesärztekammern | Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) | Kantonale Gesundheitsdirektionen |
| Grundsatz | Sachlich, nicht anpreisend | Sachlich, nicht marktschreierisch | Sachlich, nicht irreführend |
Dieser Artikel fokussiert auf das deutsche HWG. Für Österreich gibt es einen eigenen Artikel: Google Ads für Ärzte in Österreich. Für die Schweiz gelten kantonale Regelungen, im Zweifel lokale Rechtsberatung einholen.
Das deutsche HWG im Detail
Das HWG reguliert seit 1965 die Werbung für Heilmittel, Medizinprodukte und medizinische Behandlungen. Ziel: Patienten vor irreführender oder unsachlicher Gesundheitswerbung schützen.
Für Arztpraxen mit Google Ads sind besonders relevant:
- §3 HWG. Verbot irreführender Werbung
- §3a HWG. Verbot der Werbung für nicht zugelassene Arzneimittel
- §11 HWG. Verbot bestimmter Werbemethoden (Vorher/Nachher, Gutachten, Angstappelle)
Daneben gilt die Berufsordnung (MBO-Ä § 27): Ärzte dürfen sachlich informieren, aber nicht “anpreisend” oder “irreführend” werben.
Was ist bei Google Ads erlaubt?
Die gute Nachricht: Vieles ist erlaubt, solange du sachlich bleibst.
Erlaubt
| Was | Beispiel |
|---|---|
| Behandlungsangebot beschreiben | ”HNO-Praxis in Hamburg. Allergiebehandlung, Hörtest, Schnarchtherapie” |
| Qualifikationen nennen | ”Facharzt für HNO-Heilkunde” |
| Sprechzeiten & Erreichbarkeit | ”Termine auch abends und samstags” |
| Standort bewerben | ”HNO-Praxis in der Innenstadt, zentrale Lage” |
| Sachliche Informationen geben | ”Modernste Diagnostik, digitales Röntgen, Endoskopie” |
| Kassenleistungen erwähnen | ”Alle Kassen” |
Verboten
| Was | Warum |
|---|---|
| Heilungsversprechen | ”Wir heilen Ihre Allergie” → irreführend (§3 HWG) |
| Vorher/Nachher-Bilder | Bei Eingriffen unter §11 HWG verboten |
| Superlative ohne Beleg | ”Beste HNO-Praxis der Stadt” → irreführend |
| Angstappelle | ”Ohne Behandlung droht Hörverlust!” → §11 HWG |
| Dankschreiben von Patienten | In Anzeigen als Werbemittel verboten (§11 HWG) |
| Rabattaktionen | ”Botox, diese Woche 20% günstiger” → unsachlich |
Grauzone (Vorsicht geboten)
- Google Ads Bewertungserweiterungen, zeigen Sternebewertungen. Technisch kein Patientenzitat, aber im Einzelfall problematisch
- Testimonials auf der Landing Page, sachliche Erfahrungsberichte sind unter Umständen zulässig, enthusiastische Lobeshymnen nicht
- “Spezialist für X”, nur verwenden, wenn eine echte Zusatzqualifikation vorliegt
Typische Google Ads Kosten für Arztpraxen
Keywords im medizinischen Bereich sind oft günstiger als in hart umkämpften Branchen wie Versicherungen oder Finanzen. Hier einige Richtwerte aus eigener Erfahrung (die tatsächlichen CPCs variieren je nach Stadt, Fachrichtung und Wettbewerb):
| Keyword-Typ | Typischer CPC | Wettbewerb |
|---|---|---|
| ”[Fachrichtung] + [Stadt]“ | 1,50 - 4,00 € | Mittel |
| ”Arzt [Behandlung] [Stadt]“ | 2,00 - 5,00 € | Mittel bis hoch |
| ”Privatarzt [Fachrichtung]“ | 3,00 - 8,00 € | Hoch |
| ”Termin [Fachrichtung] [Stadt]“ | 1,00 - 3,00 € | Niedrig bis mittel |
Empfehlung für den Start: Mit einem Monatsbudget von 500-1.500 Euro lässt sich ein fundierter Test fahren. Genug, um belastbare Daten zu sammeln, ohne blind Geld zu verbrennen.
5 Regeln für rechtssichere Arzt-Anzeigen
1. Sachlich informieren, nicht versprechen
Statt: “Wir heilen Ihren Tinnitus” Besser: “Tinnitus-Diagnostik und Therapie. Facharztpraxis für HNO in München”
2. Qualifikationen statt Superlative
Statt: “Der beste HNO-Arzt der Stadt” Besser: “Facharzt für HNO-Heilkunde, 15 Jahre Erfahrung”
3. Landing Page prüfen
Die Anzeige selbst ist nur die halbe Miete. Auch die Landing Page muss HWG-konform sein. Keine Vorher/Nachher-Bilder, keine übertriebenen Versprechen, keine Angstmache.
4. Tracking sauber aufsetzen
Für Arztpraxen gelten besondere Datenschutzanforderungen. Consent Mode V2 ist Pflicht. Tracking darf keine Gesundheitsdaten erfassen, das bedeutet: keine Custom Dimensions mit Krankheitsbildern, keine Remarketing-Listen basierend auf besuchten Behandlungsseiten.
5. Negative Keywords pflegen
Medizinische Suchanfragen ziehen oft irrelevante Klicks an. Beispiele für typische Negative Keywords:
- “kostenlos”, “gratis” (Suchende ohne Zahlungsbereitschaft)
- “Erfahrungen”, “Forum” (Informationssuche, kein Terminwunsch)
- “Ausbildung”, “Studium” (Berufsorientierung)
- Spezifische Krankheitsbilder, die du nicht behandelst
Alle 10 Regeln für rechtssichere Google Ads als Arzt, kompakt als PDF zum Herunterladen. Inklusive So-nicht / Besser-so Beispiele und den 5 häufigsten Gründen für Account-Sperrungen. Jetzt kostenlos herunterladen →
Was Google als Plattform zusätzlich verlangt
Google hat eigene Healthcare & Medicines Richtlinien, die über das HWG hinausgehen:
- Personalisierte Werbung ist für Gesundheitsthemen eingeschränkt, kein Remarketing für medizinische Behandlungen
- Zertifizierung kann für bestimmte Behandlungen nötig sein (z.B. Suchtbehandlung)
- Landing Page Anforderungen. Google prüft, ob die Zielseite vertrauenswürdig und informativ ist
Aus meiner Erfahrung: Google ist bei medizinischen Anzeigen strenger als bei anderen Branchen. Anzeigen werden häufiger abgelehnt und müssen nachgebessert werden. Das ist normal, nicht entmutigen lassen.
Praxismarketing in DACH: Was außer Google Ads dazugehört
Google Ads ist ein Werkzeug, nicht der ganze Praxismarketing-Plan. Wer als Arzt, Zahnarzt oder Therapeut neue Patienten gewinnt, kombiniert in der Praxis mehrere Kanäle:
| Baustein | Aufgabe | Verhältnis zu Google Ads |
|---|---|---|
| Google Business Profile | Lokale Sichtbarkeit, Bewertungen, Öffnungszeiten | Pflicht-Basis, oft Erstkontakt vor dem Ad-Klick |
| Website / Landingpage | Patientenkommunikation, Vertrauen, Buchungsfunnel | Zielort für Google Ads, entscheidend für Conversion-Rate |
| Bewertungen (Jameda, Google, ProvenExpert) | Trust-Layer | Verstärkt Ad-Conversion, sehr asymmetrisch sichtbar in HWG-Branche |
| Empfehlungen / Hausärzte-Netzwerk | Indirekte Patientengewinnung | Unabhängig von Google Ads, aber profitiert vom selben Website-Auftritt |
| Lokale PR / Vorträge | Reputation, Reach | Wirkt brand-stützend, indirekt auf Smart-Bidding-Performance |
| Google Ads + SEA | Aktive Lead-Generierung | Schnellster Hebel, aber teurer pro Patient als die Basis-Bausteine |
Für DACH-Suchen wie “Praxismarketing für Ärzte” oder “Marketing Zahnärzte” gibt es Tausende Anbieter, viele davon mit Standard-Schema. Was sich in der Auswertung der letzten zwölf Monate gezeigt hat: die Praxen mit konsistentem Marketing-Mix kommen mit deutlich geringerem Google-Ads-Budget zum gleichen Patienten-Volumen, weil die Konversions-Rate auf der Landingpage zwei- bis dreimal so hoch liegt.
Das vollständige Pillar-Bild über alle sieben Bausteine, mit konkreten Kostenrahmen und Branchen-Differenzen zwischen Zahnärzten, Allgemeinmedizinern und Wahlärzten, habe ich im Pillar-Beitrag Praxismarketing für Ärzte: Patientengewinnung und Webdesign 2026 ausgeführt. Dort findest du auch den Vergleich der Bewertungs-Plattformen (Google, Jameda, ProvenExpert, DocFinder) und welche Modelle (Agentur, Freelancer, Projekt, Workshop) für welche Praxis passen.
FAQ
Dürfen Ärzte überhaupt Werbung machen?
Ja, mit Einschränkungen. Das HWG (Heilmittelwerbegesetz) und § 27 MBO-Ä (Berufsordnung) lassen sachliche, nicht-anpreisende, nicht-irreführende Werbung explizit zu. Verboten sind Heilversprechen, Superlative ohne Beleg, Vorher/Nachher-Bilder bei bestimmten Eingriffen (§ 11 HWG) und vergleichende Werbung. Für Österreich gilt analog § 53 ÄrzteG und die ÖÄK-Werberichtlinie. Wer sich an die Sachlichkeitsregel hält, kann Google Ads, eine Praxis-Website und Bewertungen rechtssicher nutzen.
Brauche ich eine Genehmigung, um als Arzt Google Ads zu schalten?
Nein. Du brauchst keine behördliche Genehmigung. Du musst dich aber an HWG, MBO-Ä und Googles Healthcare-Richtlinien halten.
Darf ich als Arzt auf Google Bewertungen verweisen?
Bewertungen auf Google (Sternebewertungen) sind grundsätzlich zulässig, da sie nutzergesteuert sind. In Anzeigentexten solltest du aber keine konkreten Patientenzitate verwenden.
Gelten die Regeln auch in Österreich und der Schweiz?
In Österreich gilt das Ärztegesetz (§ 53 ÄrzteG) statt dem HWG, ähnliche Grundsätze, aber andere Gesetze und andere Strafen. Lies dazu den eigenen Artikel: Google Ads für Ärzte in Österreich. Für die Schweiz gilt das MedBG/HMG, im Zweifel lokale Rechtsberatung einholen.
Kann ich Remarketing für meine Arztpraxis nutzen?
Stark eingeschränkt. Google verbietet personalisierte Werbung basierend auf Gesundheitsinteressen. Allgemeines Remarketing (Website-Besucher) ist möglich, aber Segmentierung nach Behandlungsseiten nicht.
Was passiert bei einem Verstoß?
Im schlimmsten Fall: Abmahnung durch Wettbewerber oder Ärztekammer, Unterlassungserklärung, Bußgeld. In der Praxis besteht das größte Risiko durch Mitbewerber, die Verstöße bei der Wettbewerbszentrale melden.
Du bist Arzt und überlegst, ob Google Ads für deine Praxis Sinn macht? 20-Min-Erstgespräch für Praxen buchen, ich schaue mir deine Situation an und sage dir ehrlich, ob sich der Einstieg lohnt.
Google Ads Projekt- & Setup-Spezialist. Ehemaliger Mitarbeiter im Namen von Google. Hilft KMU und Arztpraxen im DACH-Raum, profitabel zu werben.
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